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Wölfe in Bayern: Mit Rudelgründungen ist bald zu rechnen - Materialsammlung Herdenschutz soll sachliche und kompetente Debatte ermöglichen

Die von renommierten Experten und Naturschützern verfasstes Materialsammlung stellt Hintergrundinfos und umfangreiche Quellen- und Literaturhinweise zur Verfügung

München, 10.5.2017. Zwei Wolfspaare sind in Bayern bestätigt. Immer wieder tauchen bayernweit Einzeltiere auf. Mit Rudelgründungen in mehreren Regionen Bayerns ist jederzeit zu rechnen. Gerade für Weidetierbetriebe kann dies eine Umstellung und ein Umdenken erfordern. Die bayerische Politik und insbesondere die zuständigen Behörden (Landesamt für Umwelt, Landwirtschaftsverwaltung) sind jetzt in der Pflicht, diesen Aspekt im Zuge der Rückkehr von Wölfen nach Bayern intensiv anzugehen, um Lösungen und Kompromisse für ein konfliktarmes Nebeneinander von Beutegreifern und Nutztieren zu finden. Dazu müssen ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen sofort flächendeckend bereitgestellt werden. Die entsprechenden weitreichenden aktuellen Forderungen des Bund Naturschutz in Bayern im Rahmen der Landesdelegiertenversammlung vom vergangenen Wochenende werden ausdrücklich unterstützt. (siehe Pressemitteilung des BN / Rede Hubert Weiger vom 7.5.2017).

Eine erste Grundlage für eine kompetente und lösungsorientierte Diskussion bietet die von der Gregor Louisoder Umweltstiftung jetzt veröffentlichte Materialsammlung Herdenschutz. Die Autorin Michaela Skuban fasste ihre langjährige Erfahrung im Herdenschutz und im Umgang mit großen Beutegreifern in der Slowakei für den Herdenschutzleitfaden zusammen und zieht Parallelen zu Bayern. Da Bayern in vielen Bereichen bisher die eigene Erfahrung fehlt, können Blicke über den Tellerrand Anregungen geben, wie auch wir den Herdenschutz in Bayern weiter gestalten müssen. Die Materialsammlung und weitere Hintergrundinfos sind unter www.umweltstiftung.com/projekte/bayern-wild/herdenschutz/ online verfügbar.

Claus Obermeier, Vorstand der Stiftung, fasst die Expertenstudie und eigene Erfahrungen aus Wolfsgebieten in Europa wie folgt zusammen: "Wölfe lebten und leben auch heute meistens in Gebieten mit Schaf- und Ziegenhaltung. Dazu wurden über Jahrhunderte bewährte Schutzmaßnahmen entwickelt, die Tierverluste durch Wölfe minimieren. Besonders bewährt haben sich in Mitteleuropa spezielle Herdenschutzhunde, die die Herde aktiv gegen Wölfe verteidigen. Heute stehen mit mobilen Elektrozäunen weitere technische Mittel zur Verfügung, die Übergriffe von Wölfen weitgehend verhindern können. Dies alles kostet Geld und Zeit, daher müssen die schafhaltenden Betriebe umfassend und professionell von den Behörden unterstützt werden, da der Schutz des Wolfes auf der Basis der Gesetze und internationalen Verpflichtungen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist" .

Bayerische Almwirtschaft ist aus Naturschutztöpfen und Programmen zur naturschutzgerechten Landwirtschaft hoch gefördert - Koexistenz von Almwirtschaft und Wolf muss umfassend unterstützt werden
In speziellen Fällen wie der Almwirtschaft mit Schafen im Gebirge kann der Schutz von Herden vor Wolfsübergriffen mit erheblichem Aufwand verbunden sein. Es handelt sich dabei in den Hochlagen (heute) nicht um eine produktionsorientierte Landwirtschaft, sondern um eine staatlich finanzierte Landbewirtschaftung, um bestimmte Ziele wie die Erhaltung von Blumenwiesen oder des Landschaftsbildes zu sichern. Aktuelle Zahlen sind nur mit hohem Rechercheaufwand zu erhalten, da viele verschiedene Fördertöpfe und Förderprogramme sowie reguläre EU-Agrarsubventionen zusammengeführt werden müssten. Einen Überblick geben die folgenden Dokumente des Bayerischen Landtages:
http://www.florian-streibl.de/new/images/anfragen/wahlperiode_1/frage120.pdf
http://www.florian-streibl.de/new/images/anfragen/2013/frage279.pdf
Almwirtschaft hat eine große kulturelle und auch naturschutzfachliche Bedeutung. Beides – große Beutegreifer in almwirtschaftlichen Bereichen – kann, ja muss sogar nebeneinander funktionieren. Es obliegt Politik, Naturschutz und Landwirtschaft gemeinsam daran zu arbeiten und größtmögliche Unterstützung für betroffene Gruppen zu schaffen.

Förderpreis für Schutz der Grossen Beutegreifer und Herdenschutz
Die Gregor Louisoder Umweltstiftung vergibt jährlich einen mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Förderpreis für Projekte und Initiativen, die sich außergewöhnlich für bedrohte Wildtiere und den Herdenschutz im deutschsprachigen Alpenraum verdient gemacht haben. Vorschläge können jederzeit gemacht werden. Mit zwei getrennten Kategorien werden Projekte zum Schutz des Luchses und Projekte zum Schutz der Nutztierherden vor grossen Beutegreifern prämiert. Infos können kostenlos unter info@umweltstiftung.com  angefordert werden.

Ansprechpartner für Rückfragen: Stefanie Morbach, Projektstelle Bayern wild