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Förderpreise Wissenschaft an zwei Nachwuchswissenschaftler vergeben

München, 9. Oktober 2019

Der Betriebswirt und Umweltwissenschaftler Dr. Markus Profijt sowie der Politikwissenschaftler und Geograf Johannes Christian Haas erhalten heute Abend den diesjährigen Förderpreis Wissenschaft der Gregor Louisoder Umweltstiftung. Mit ihren Studien zu nachhaltigen Veränderungen im Mobilitätsverhalten von Stadtbewohnern bzw. zu den sozio-ökonomischen Auswirkungen eines anreizbasierten Wald- und Naturschutzes werden von den jungen Wissenschaftlern zwei aktuelle Brennpunktthemen des Umwelt- und Naturschutzes mit großem persönlichen Engagement und fachlicher Expertise behandelt – „ebenso praxisnah und umsetzungsorientiert wie auf hohem wissenschaftlichen Niveau“, so die Jury in ihrer Begründung.

Ein erster Förderpreis geht an Dr. Markus Profijt für seine von der Bergischen Universität Wuppertal angenommene und 2018 im Münchner oekom Verlag auch als Buch erschienene Dissertation über „Mobilitätssuffizienz. Grundlagen – Messung – Förderung“ (Wuppertaler Schriften zur Forschung für eine nachhaltige Entwicklung, Band 11). In seiner empirischen Pilotstudie analysiert der Autor die Mobilitätsbedürfnisse und das Mobilitätsverhalten suffizient („genügsam“) handelnder Personen. Er konnte nachweisen, dass suffizientes Mobilitätsverhalten, das sich v.a. in der Wahl der Verkehrsmittel sowie in Länge und Anzahl der zurückgelegten Wege ausdrückt, im urbanen Alltag gut funktioniert und in der Regel auch mit einem Zuwachs an Lebensqualität für die Betroffenen verbunden ist. Für die aktuelle Klimadebatte ist die prämierte Fallstudie von großer Bedeutung. Denn sie kann aufzeigen, wie Mobilitätssuffizienz die Treibhausgasemissionen unserer Alltagsmobilität bereits heute um fast zwei Drittel zu senken in der Lage ist. Von solchen Reduktionsleistungen ist die bisherige, autozentrierte Verkehrspolitik, die beim Klimaschutz vor allem auf technische Innovationen setzt, weit entfernt. Die Studie plädiert daher dafür, verstärkt das Mobilitätsverhalten der Bürgerinnen und Bürger ins Zentrum einer dringend erforderlichen Verkehrswende zu rücken und entwickelt konkrete Handlungsempfehlungen für die kommunale Praxis zur Förderung der Mobilitätssuffizienz.

Ein zweiter Förderpreis geht an Johannes Christian Haas für seine 2018 an der Technischen Universität München eingereichte Masterarbeit „Fairness in incentive-based conservation? Contextual and distributive equity in Vietnam´s payments for Forest Environmental Services Program“. Die Arbeit beschäftigt sich mit einem politischen Steuerungsinstrument für Umweltprobleme, das in den letzten Jahren international an Bedeutung gewonnen hat. Im Kern geht es darum, zunächst den ökonomischen Wert bestimmter von der Natur erbrachten Leistungen zu erfassen. Eine solche „Ökosystemleistung“ wäre z.B. die CO2-Speicherkapazität eines Regenwaldes. In einem zweiten Schritt werden Landbesitzer durch entsprechende Kompensationszahlungen dafür entlohnt, dass sie sensible Ökosysteme und deren Leistungen für die Allgemeinheit schützen. Bislang wurde jedoch noch nie explizit untersucht, ob und wie sich diese Zahlungen auf bereits bestehende Einkommens- und Machtasymmetrien in der betroffenen Landbevölkerung auswirken. Dieser Frage geht die Studie am Beispiel des nationalen vietnamesischen Waldschutzprogramms nach. Auch diese Arbeit mündet in konkreten Politikempfehlungen, die über das untersuchte Beispiel hinausgehen. Sie zielen darauf ab, die sozio-ökonomische Verteilungsgerechtigkeit bei vergleichbaren Programmen eines zahlungsbasierten Naturschutzes stärker zu gewährleisten. Denn mit einer verbesserten Akzeptanz in der betroffenen Landbevölkerung erhöhen sich zugleich die Erfolgschancen entsprechender Naturschutzprojekte.

Mit den in diesem Jahr zum 15. Mal vergebenen „Förderpreisen Wissenschaft“ will die Gregor Louisoder Umweltstiftung Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ermutigen, ebenso praxisnah wie wissenschaftlich fundiert Brennpunktthemen des Umwelt- und Naturschutzes zu bearbeiten. „Gerade der Natur- und Umweltschutz braucht in Zukunft mehr denn je qualifizierte und engagierte Wissenschaftler, die sich für eine nachhaltige und ökologische Entwicklung unserer Gesellschaft einsetzen“, so Claus Obermeier, Vorstand der Stiftung bei der Preisverleihung in München. Diese Hoffnungen hätten die diesjährigen Preisträger in herausragender Weise erfüllt. 

Zu den Förderpreisen Wissenschaft:

Die Förderpreise werden seit 2003 in der Regel jährlich für Masterarbeiten und Dissertationen in den Studienschwerpunkten Biologie, Geo- und Umweltwissenschaften, Forst- und Agrarwissenschaften sowie Wirtschaftswissenschaften vergeben. Der Preis ist mit jeweils 2.500 € Preisgeld und einer Anschlussförderung zur Weiterführung der wissenschaftlichen Arbeit verbunden. Weitere Informationen enthält die Ausschreibung der Förderpreise. Die Jury besteht aus Vorstand, Stiftungsrat und wissenschaftlichen Mitarbeitern der Stiftung sowie einem externen Gutachter (Dr. Manuel Schneider, make sense).

Die Kurzfassungen der prämierten Arbeiten als PDF finden Sie in unserem Archiv unter unter Förderpreise Wissenschaft 2019.


Ansprechpartner für Rückfragen und Interviews:

Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung
claus.obermeier@umweltstiftung.com
Telefon: 089/54212142

Bildmaterial:

Andreas Abstreiter
andreas.abstreiter@umweltstiftung.com
Telefon: 089/54212142

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