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7 - Massentierhaltung

7 - Massentierhaltung

Massentierhaltung: eine Folge spezialisierter Landwirtschaft

Massentierhaltung ist ein umgangssprachlich häufig genutzter Begriff für eine spezialisierte, arbeitsteilig organisierte Tierhaltung mit einem hohen Maß an externem Input (Energie, Futtermittel und anderes mehr). Massentierhaltung lässt sich nicht einfach an der Überschreitung konkreter Grenzwerte festmachen. Vielmehr geht es um die Prinzipien der Tierhaltung: Es werden Nutztiere gleicher Art und Altersgruppe in großen Beständen auf begrenztem Raum gehalten. Tierhaltung und Futterbau sind nicht mehr aufeinander abgestimmte Betriebszweige eines einzelnen Bauernhofs. Der Einsatz der Arbeitskräfte wird – wie in anderen industriellen Prozessen auch – auf ein Minimum reduziert.

Teile der Tierhaltung in der Landwirtschaft entwickeln sich nahezu unabhängig von der eigenen Fläche, die die Betriebe bewirtschaften. Das ist möglich, weil Futtermittel in immer größerem Ausmaß aus anderen Regionen und sogar aus anderen Kontinenten zugekauft werden. Bei intensiver Milcherzeugung, die auf hohe Milchleistung der einzelnen Kuh ausgerichtet ist, bestehen die Futterrationen für die Milchkühe beispielsweise aus bis zu 50 Prozent Kraftfutter.[i] Dabei stammt Getreide oft noch aus Deutschland, aber vor allem Eiweißfutterpflanzen werden importiert. Sie werden für hohe Leistungen der Tiere – schnelle Zunahme bei Masttieren, hohe Milchleistung bei Kühen, hohe Legeleistung bei Geflügel – in weit höherem Umfang benötigt, als sie in Deutschland angebaut werden. In den Jahren 2008 bis 2010 – dafür wurden konkrete Daten errechnet – deckte Deutschland etwa 35 bis 45 Prozent der eiweißhaltigen Kraftfutterkomponenten durch Importe, hauptsächlich in Form von Soja. Alleine für den Anbau von Sojabohnen nahm Deutschland im Jahr 2012 etwa 2,5 Millionen Hektar außerhalb der Europäischen Union in Anspruch; vor allem in Brasilien und Argentinien.[ii] Das ist fast ein Sechstel der landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands.


[i]                 WWF Deutschland (Hrsg.) (2013): Der Futtermittelreport. Alternativen zu Soja in der Milchviehfütterung. S.10

[ii]                von Witzke, Stefan, Steffen Noleppa, Inga Zhirkova (2014): Fleisch frisst Land. WWF (Hrsg.)
www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/...PDF/WWF_Fleischkonsum_web.pdf (25.7.2019)

Je größer die erzeugten Einheiten und je spezialisierter die Verfahren sind, um so rentabler ist in der Regel die Produktion, zumindest aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Vielfältige Betriebe, die verschiedene Tierarten halten, sind deshalb heute eher die Ausnahme. Dabei hatte und hat eine Landwirtschaft mit unterschiedlichen Tierarten einige Vorteile. Auf einem traditionellen Bauernhof gab es Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen) für das Grünland, Schweine und Hühner fraßen Getreide, oft aber auch Abfälle bzw. „Nebenprodukte“. So stammte der berühmte Schwarzwälder Schinken ursprünglich tatsächlich von Schweinen, die im Schwarzwald gehalten wurden. Die Höfe im Schwarzwald hielten Kühe, die auf den hängigen Wiesen weideten. Im Schwarzwald wurde aus der Milch traditionell eher Butter als Käse gemacht. Dabei entstand Molke als Nebenprodukt. Mit dieser Molke, die noch recht viel Nährstoffe enthält, wurden die Schweine gefüttert – und nicht wie heute mit Getreide und Sojaschrot. Als die Bauern und Bäuerinnen nicht mehr auf dem Hof butterten, sondern die Milch an Molkereien ablieferten, brachten eine Zeitlang die Milchwagen die Molke wieder zurück zu den Höfen, damit die Schweinehaltung aufrechterhalten werden konnte. Inzwischen ist es kostengünstiger, die Molke zu entsorgen bzw. anderweitig zu verwenden. Schweine gibt es im Schwarzwald schon lange nicht mehr.

Auch die Tiere selbst wurden in vielfältiger Weise genutzt. Das Rind war bis zur Mechanisierung in der Landwirtschaft sowohl Zugtier als auch Milch- und Fleischlieferant. Die Bedeutung als Zugtier ist in unseren Breitengraden gänzlich verloren gegangen. Aber auch die sog. Zweinutzungsrassen, die sowohl Milch als auch Fleisch liefern, sind seltener geworden, da sie nicht die gewünschten Leistungen erbringen. Gezüchtet wird einseitig entweder auf Milch- oder auf Fleischleistung. Auch Geflügel wird entweder auf Eierlegeleistung oder auf Mastleistung gezüchtet. Die männlichen Küken der auf Legeleistung gezüchteten Hühnerrassen, alleine in Deutschland etwa 40 Millionen im Jahr, werden direkt nach der Geburt aussortiert und getötet, da sie in ihrer täglichen Zunahme den Masthähnchen unterlegen sind.[i] Diese jahrelang gängige Praxis hätte eigentlich ein Ende finden sollen. Aber das massenhafte Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht bleibt vorerst rechtmäßig. Bis zur Einführung alternativer Verfahren dürften Brutbetriebe weiter so vorgehen, urteilte das Bundesverwaltungsgericht im Juni 2019.[ii]

Aber es muss eine Lösung gefunden werden. Dadurch werden Zweinutzungsrassen interessant. Das sind Rassen, die sowohl eine gute Legeleistung haben als auch einen guten Fleischertrag liefern. Die Zucht solcher Rassen wurde in den letzten Jahrzehnten allerdings völlig vernachlässigt. Daher wird es noch einige Zeit dauern, bis diese Rassen Leistungen erbringen, die sich wirtschaftlich rechnen. Die sog. Bruderhahninitiative versucht bereits heute eine für Landwirte ökonomisch tragfähige Alternative anzubieten. Landwirte und Händler, die hier mitmachen, verlangen einen höheren Preis für die Eier, die von den „Schwestern“ der männlichen Küken gelegt werden. Mit diesem höheren Eierpreis wird die eigentlich unrentable Mast der männlichen Tiere aus den Legerassen subventioniert. Diese Initiative wird in kleinem Maßstab erfolgreich praktiziert.[iii]


[i]                 Reuter, Katharina (2014): Vermeintlich wertlos – Alternativen zum millionenfachen Töten von Küken. In: AgrarBündnis e.V. (Hrsg.): Der kritische Agrarbericht 2014
www.kritischer-agrarbericht.de (25.7.2019)

[ii]                Tagessschau online (13.06.2019): Kükentöten bleibt vorerst erlaubt.
www.tagesschau.de/inland/kueken-toeten-urteil-101.html (25.7.2019)

[iii]               Bruderhahninitiative Deutschland
www.bruderhahn.de (25.7.2019)

Das Wachsen oder Weichen, der Strukturwandel in der Landwirtschaft, führt dazu, dass sich vielfältige Bauernhöfe in spezialisierte landwirtschaftliche Unternehmen verwandeln. Sie werden immer größer. Durch Rationalisierung und Mechanisierung der Abläufe sinkt die Anzahl der in der Landwirtschaft beschäftigten Arbeitskräfte stetig.

Der landwirtschaftliche Strukturwandel verläuft in rasantem Tempo. In den zweieinhalb Jahren zwischen den Viehzählungen von November 2016 bis Mai 2019 haben in Deutschland 11.100 Betriebe die Rinderhaltung aufgegeben. Das waren 7,5 Prozent aller Rinderhalter. In der Schweinehaltung ist der Strukturwandel noch deutlicher. Hier ging die Zahl der Betriebe mit Mastschweinen um 12,1 Prozent zurück. In der Vergangenheit ist trotz weniger Höfen die Zahl der gehaltenen Tiere meist weiter angestiegen. Allerdings ist in Deutschland offenbar aus verschiedenen Gründen ein Ende des Wachstums erreicht worden. Die Zahl der Rinder ist von November 2016 bis Mai 2019 um 5,6 und die Zahl der Mastschweine um 7,7 Prozent zurückgegangen.[i] Da die Zahl der Höfe schneller zurückgeht als der gesamte Tierbestand, hat sich die Zahl der Tiere weiter erhöht, die im Durchschnitt pro Betrieb gehalten werden. Dabei ist die Spannweite der Bestandsgrößen beträchtlich. So hat ein Drittel aller Höfe mit Mastschweinen weniger als 500 Tiere. Aber es werden nur zehn Prozent aller Mastschweine in solch kleineren Beständen gehalten. Die 13 Prozent größten Betrieben mit 2.000 oder mehr Mastplätzen halten 37 Prozent aller Mastschweine.[ii]

Aufgrund der historischen Entwicklung sind Betriebe mit sehr großen Tierbeständen in den neuen Bundesländern besonders dominant. So werden beispielsweise in Brandenburg im Durchschnitt 68.000 Legehennen pro Betrieb gehalten. In Baden-Württemberg gibt es zwar einige große, aber auch viele kleinere Betriebe und der Durchschnitt liegt bei 11.000 Legehennen pro Betrieb.[iii]

Massentierhaltung in einzelnen besonders großen Betrieben heißt aber nicht zwangsläufig, dass in diesen Regionen bezogen auf die gesamte landwirtschaftliche Fläche besonders viele Tiere gehalten werden. Die höchste räumliche Konzentration von Mastschweinen und Geflügel befindet sich in den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Allein in diesen beiden Bundesländern, die nur ein Viertel der Agrarfläche Deutschlands ausmachen, werden mehr als 64 Prozent aller Mastschweine gehalten.[iv] Bei Geflügel ist das durch die Nähe zu den Häfen (Futtermittel!) bevorteilte Niedersachsen alleiniger Spitzenreiter. Obwohl nur 15 Prozent der deutschen Agrarflächen in Niedersachsen liegen, werden dort 38 Prozent der Legehennen und 42 Prozent der Puten gehalten. Und selbst innerhalb Niedersachsens konzentriert sich die Geflügelhaltung auf bestimmte Regionen. So waren z. B. 2010 zwölf Prozent aller in Deutschland gehaltenen Legehennen im Landkreis Vechta eingestallt.[v]


[i]                 Destatis Statistisches Bundesamt (verschiedene Jahrgänge): Fachserie 3 Reihe 4 Land- und Forstwirtschaft, Fischerei: Viehbestand und tierische Erzeugung
www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/_inhalt.html (25.7.2019)

[ii]                ebd.

[iii]               ebd.

[iv]               ebd.

[v]                Bäurle, H., Christine, T. (2012): Regionale Konzentrationen der Nutztierhaltung in Deutschland. Mitteilungen - Heft 79, Institut für Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten (ISPA), Universität Vechta

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Ein Problem der großen Tieranlagen sind problematische Haltungsbedingungen. Bemängelt werden fehlende Bewegungsmöglichkeiten, ganzjährige Stallhaltung mit zu hohen Besatzdichten (Tiere pro Fläche) sowie zu wenig Anreize um arteigenes Verhalten ausüben zu können, wie z. B. bei Schweinen das Wühlen.

Ein Großteil der Verbraucher äußert den Wunsch nach einer artgerechteren Haltung der landwirtschaftlichen Nutztiere. So fanden zwei Drittel aller Befragten einer Verbraucherumfrage der Universität Göttingen Tierschutz in der Landwirtschaft für wichtig oder sehr wichtig,[i] das Bundeslandwirtschaftsministerium schreibt, dass 88 Prozent der Deutschen der Auffassung sind, dass der artgerechten Haltung von Nutztieren größere Beachtung geschenkt werden sollte.[ii] Bisher wird das artgerechte Verhalten der Tiere allerdings oft wirtschaftlichen Interessen untergeordnet. Dabei ist im deutschen Tierschutzgesetz festgelegt, dass Tieren keine unnötigen Leiden zugefügt werden dürfen. In §1 heißt es: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Dennoch wird die „Leistungsfähigkeit“ der Tiere ausgereizt. Durch die Zucht auf einseitige Höchstleistungen treten immer häufiger Gesundheitsstörungen auf. Häufig sind Fruchtbarkeitsstörungen sowie Euter- und Klauenentzündungen bei Milchkühen oder Kreislaufprobleme und Gelenkerkrankungen bei Mastschweinen und Mastgeflügel. Viele Puten und Hähnchen können aufgrund der Zucht auf übergroße Brustmuskulatur nicht mehr normal laufen. Zusätzlich treten vermehrt Verhaltensstörungen auf.[iii]


[i]                 siehe beispielsweise: Zühlsdorf, A., Kühl, S., Gauly, S., Spiller, A. (2016): Wie wichtig ist Verbrauchern das Thema Tierschutz? Präferenzen, Verantwortlichkeiten, Handlungskompetenzen, Politikoptionen. Kommentiertes Chartbook zur repräsentativen Umfrage, Göttingen.
https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/Tierschutz-Umfrage-Ergebnisbericht-Langfassung-vzbv-2016-01.pdf (25.7.2019)

[ii]                Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2016): Deutschland, wie es isst: der BMEL Ernährungsreport 2016, Berlin. 32 Seiten.
www.bmel.de/DE/Ernaehrung/_Texte/Ernaehrungsreport2019.html (28.7.2019)

[iii]               Hörning, Bernhard (2013): Qualzucht bei Nutztieren – Probleme und Lösungsansätze, Bundestagsfraktion Die Grünen, Berlin, 19 Seiten.
www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/.../Qualzucht_bei_Nutztieren.pdf (25.7.2019)

Durch Enge, Bewegungsmangel, Stress und hohe Tierzahlen entsteht ein extrem hohes Krankheitsrisiko. Um die Tiere dennoch bis zur Schlachtreife zu bringen, werden in der Nutztierhaltung in großem Stil Antibiotika eingesetzt. Nur selten werden sie gezielt an einzelne erkrankte Tiere verabreicht. Es ist üblich, alle Tiere einer gemeinsam gehaltenen Gruppe mit Antibiotika zu behandeln. Damit soll verhindert werden, dass sich die Erreger von einzelnen Tieren auf die gesamte Gruppe ausbreiten. Bei dieser sog. „Metaphylaxe“ ist kaum zu unterscheiden, ob es sich um eine therapeutische Maßnahme oder um eine prophylaktische Routinemaßnahme handelt. Niedersächsische Behörden führten 2011 Kontrolluntersuchungen in Masthühnerbetrieben durch. Sie fanden heraus, dass die Hälfte aller untersuchten Betriebe „Standard-Antibiotikabehandlungen“ durchführte. Antibiotika haben den für die Mast wichtigen Nebeneffekt, dass sie ein rascheres Wachstum begünstigen.[i]

Der häufige Einsatz von Antibiotika ist für den einzelnen Betrieb wirtschaftlicher als Investitionen in eine tiergerechtere Haltung. Aber durch den wenig zielgerichteten Einsatz in der Nutztierhaltung finden resistente Bakterien ideale Bedingungen für ihre Entwicklung und Verbreitung. Trotz umfangreicher Hygienemaßnahmen ist es kaum zu verhindern, dass resistente Keime den Weg über Schlachtung und Verarbeitung in die Küche der Verbraucher finden.

90 Prozent der antibiotischen Wirkstoffe werden von den Tieren zwar direkt wieder ausgeschieden, sie gelangen jedoch über die Gülle auf die Felder. Die Anreicherung im Boden führt nicht nur zu Störungen in der Bodenbiologie, sondern begünstigt ebenfalls die Entwicklung resistenter Keime.[ii] Das ist ein großes Problem für die Humanmedizin. Immer häufiger tauchen Keime auf, die gegen verschiedene Antibiotika resistent (= multiresitent) sind und mit den vorhandenen Medikamenten nicht mehr behandelt werden können. Im Jahr 2010 wies das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit darauf hin, dass Coli-Bakterien und Salmonellen deutlich häufiger unempfindlich gegenüber den für die Humanmedizin besonders wichtigen Antibiotika Fluorchinolon und Cephalosporin waren, als in vorhergehenden Untersuchungen.[iii] Im Jahr 2016 stellte auch die FAO – die Abteilung für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen – fest, dass multiresistente Keime in weiten Teilen der Welt ein alarmierendes Niveau erreicht haben. Verantwortlich dafür ist nach FAO-Analyse vor allem die Überdosierung und unsachgemäße Anwendung von Antibiotika in industriellen Haltungssystemen. Das Problem der Resistenzen wird mit Einzug der Massentierhaltung auch in die Schwellen- und Entwicklungsländer exportiert. Hiervon geht, so die FAO, in den kommenden Jahrzehnten weltweit eine steigende Gefahr sowohl für die Tiere als auch für die Humanmedizin aus.[iv]

Die Politik hat mit einigen Maßnahmen reagiert und der Antibiotikaverbrauch in Tierhaltungen in Deutschland ist seit 2011 gesunken. Leider sind aber einige gerade für die Humanmedizin besonders wichtige Antibiotika, die sog. Reserveantibiotika, zunächst häufiger angewendet worden und erst 2018 unter den Stand von 2011 gesunken.[v] Das mag ein erster Schritt sein, reicht aber nicht aus. In Deutschland werden je Kilo Fleisch 89 Milligramm Antibiotika verbraucht. Einige Wirkstoffe sind in anderen Ländern bereits verboten, während sie in Deutschland weiterhin in industriellen Tierhaltungen verbraucht werden. Kein Wunder, dass Resistenzen gegen diese Wirkstoffe hierzulande schon in Badegewässern auftreten. Nachbarländer wie Frankreich, Schweiz oder Dänemark kommen mit der Hälfte an Antibiotika oder weniger aus. Je weniger Antibiotika verbraucht werden, desto weniger Resistenzen können sich bilden.[vi]


[i]                 Birkel, Kathrin (2013): Masse statt Klasse. Eine Haltung, die krank macht. Über den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung und die Zunahme von resistenten Bakterien. Aktualisierte Auflage 2015. Herausgegeben von Martin Häusling (MdEP)/Europabüro Hessen, Wiesbaden.
www.martin-haeusling.eu/presse-medien/publikationen/1614-aktualisierte-neuauflage-masse-statt-klasse-eine-haltung-die-krank-macht.html (28.7.2019)

[ii]                ebd.

[iii]               Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2011): GERMAP 2010 – Antibiotika-Resistenz und -Verbrauch
www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/08_PresseInfothek/Germap_2010.pdf (28.7.2019)

[iv]               Bommert, Wilfried und Manfred Linz (2018): Landwirtschaft am Scheideweg. Nur eine ökologische Landwirtschaft kann zehn Milliarden Menschen ernähren. Eine Streitschrift.
www.slowfood.de/wirueberuns/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen_2018/pm_landwirtschaft_am_scheideweg (30.7.2019)

[v]                Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2019): Erneut weniger Antibiotika in der Tiermedizin abgegeben. Pressemeldung vom 25.7.2019 www.bvl.bund.de/DE/08_PresseInfothek/01_FuerJournalisten_Presse/01_Pressemitteilungen/05_Tierarzneimittel/2019/2019_07_25_PI_Antibiotikaabgabe.html%3Bjsessionid=914ABBD3DFFB4511350A7F69C47AA5D2.2_cid322 (30.7.2019)

[vi]               Germanwatch (2019): Fakten zur Agrarindustrie 2019.
www.germanwatch.org/de/16229 (30.7.2019)

Intensive Tierhaltung führt zu Umweltproblemen. Denn die Massen an Futtermitteln, die herbeigekarrt werden, werden nur zu einem geringen Teil in Fleisch, Milch und Eier verwandelt. Der allergrößte Teil wird von den Tieren wieder ausgeschieden und wandert zunächst einmal in die Güllegrube und dann auf die Felder. Die Flächen der Betriebe werden bis an die Grenze des Erlaubten gedüngt. Dabei steht nicht die Nährstoffversorgung der Pflanzen, sondern die Entsorgung der Gülle im Vordergrund. Da die Unternehmen selbst meist nicht genug eigene Flächen haben, schließen sie Abnahmeverträge mit anderen Betrieben, wobei die Gülle oft über weite Strecken transportiert werden muss. Dadurch werden die Nährstoffe zwar in einer größeren Region verteilt, das Problem der Überdüngung ist damit allerdings nicht wirklich gelöst. In Niedersachsen fallen in der Tierhaltung etwa 39 Millionen Tonnen Gülle und acht Millionen Tonnen Festmist an. Obwohl rund 15 Millionen Tonnen Wirtschaftsdünger an andere Betriebe, sowohl im eigenen Umfeld als auch in anderen Bundesländern, abgegeben wurden, ist das Grundwasser in Niedersachsen stark belastet. 2012 waren 60 Prozent des Grundwassers in einem schlechten Zustand und hatten zu hohe Nitratwerte.[i] Inzwischen sind sog. Risikogebiete festgelegt worden, in denen künftig (Stand Juli 2019) harte Auflagen wie Sperrzeiten für das Ausbringen von Gülle gelten sollen. Auf 38 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen besteht Handlungsbedarf. Als besonders belastet gelten die Landkreise im tierhaltungsintensiven Westen: In Ammerland, Cloppenburg, Emsland, Grafschaft Bentheim, Oldenburg, Rotenburg und Vechta wurden nach dem Nährstoffbericht 2019 die zulässigen Grenzwerte für Stickstoff erheblich überschritten.[ii]


[i]                 Landwirtschaftskammer Niedersachsen: Vorstellung des Nährstoffberichts 2012/2013
www.google.com/search
www.ml.niedersachsen.de/portal/live.php (28.7.2019)

[ii]                Mlodoch, Peter (2019): Nitratbelastung im Grundwasser. Wegen zu viel Gülle: Niedersachsen drohen Millionenstrafen. Beitrag im Weserkurier vom 26.7.2019. (28.7.2019)

Schon seit einigen Jahren wächst der Widerstand gegen die Massentierhaltung. Ein Großteil des Widerstands kommt von den Menschen vor Ort. Sie kämpfen nicht nur gegen die ökologischen und tierethischen Probleme. Es entstehen auch erhebliche Geruchs-, Lärm-, Feinstaub-, Wasser- und Verkehrsbelastungen in der Nachbarschaft der Anlagen, von denen Menschen persönlich betroffen sind. Seit 2009 gibt es das Netzwerk „Bauernhöfe statt
Agrarfabriken“, in dem sich etwa 250 Initiativen vor Ort gemeinsam für eine zukunftsfähige und nachhaltige Nutztierhaltung auf bäuerlichen Betrieben einsetzen. Alleine im Jahr 2013 konnten so deutschlandweit 30 Tierfabriken und ein Großschlachthof verhindert werden.[1]


[1]                Niemann, Eckehard (2014): Bauernhöfe statt Agrarfabriken. In: Agrar-Bündnis e.V. (Hrsg.) (2014): Der kritische Agrarbericht 2014.
www.kritischer-agrarbericht.de/2014.340.0.html (28.7.2019)


Erklärfilm Massentierhaltung

So ein Schweinebraten bei Mama, das ist doch was Feines – da kommt das Fleisch noch direkt vom Hof nebenan. Doch zurück im heimischen Supermarkt fragt sich Uwe: Wie werden diese Fleischmassen eigentlich produziert?

Sofort schießt ihm der Begriff „Massentierhaltung“ in den Kopf. Ganz so einfach ist das aber nicht: Ein großer Betrieb mit vielen Tieren bedeutet nicht zwangsläufig schlechte Zustände und ein kleiner Hof gute Bedingungen. Besser ist es daher, von industrieller Landwirtschaft zu sprechen und sich zu fragen, ob gewisse Kriterien erfüllt werden – oder eben nicht.
Dabei helfen drei Fragen: Wie viel Platz hat das einzelne Tier? Wo wird die Gülle entsorgt? Und wo kommt das Futter her?

Grundlegend kann man sagen, dass Tiere bei der konventionellen landwirtschaftlichen Fleischproduktion in Deutschland nur selten artgerecht gehalten werden. Noch dazu ist die Gülle der Tiere zwar ein wertvoller und unverzichtbarer Dünger, durch die hohen Tierzahlen im Vergleich zur Fläche wird sie allerdings nicht sinnvoll ausgebracht. Das belastet die Böden und das Grundwasser mit Nitrat – das weiß Uwe.
Ein Problem von dem Uwe nichts ahnt sind die Futtermittel. Die Tiere bekommen massig importiertes Sojafutter aus Übersee. Das macht aus einem deutschen Problem, ein globales. Denn diese Futtermittelimporte führen nicht nur zu Umweltproblemen, sondern sind auch ein entscheidender, negativer Faktor beim Klimawandel – durch die Abholzung von Regenwäldern und die CO2-Belastung. Das günstige Fleisch in unseren Supermärkten zieht also eine ganze Reihe an Problemen hinter sich her.

Das war Uwe so nicht klar! Da kauft er sein Fleisch doch lieber nebenan.

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Folgende Filme sind bereits erschienen:

- Nitrat
- Bio-Siegel
- Massentierhaltung
- Artgerechte Tierhaltung

Hier können Sie alle angebotenen Filme ansehen und herunterladen.


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