Skip to main content
Donauauen bei Neuburg / Grünau
Foto: Willner
Naturwaldreservat Ludwigshain
Foto: Willner
Luchs
Foto: Krofel
Buchenwälder Weltenburg
Foto: Willner

Natur Natur sein lassen: Jahrhundertentscheidung für die Natur in Bayern ? Aktuelle Ankündigungen und Gesetzesvorschläge zum Schutz nutzungsfreier Wälder

Die aktuellen Ankündigungen zur Ausweisung von mehreren Tausend Hektar noch 2019 der BaySF und die Gesetzesänderung zur Schaffung eines grünes Netzwerkes aus nutzungsfreien Naturwäldern sind eine Jahrhundertchance für Naturschutz und Forstwirtschaft in Bayern.

Die letzten Jahrzehnte wurde die Debatte über Ziele, Instrumente und Gebietskulissen im Waldnaturschutz sehr oft erbittert und ideologisch geführt und die Ausweisung nutzungsfreier Wälder in Bayern verhindert. Die jetzt angekündigten Naturwälder und die neuen gesetzlichen Regelungen kommen nicht aus dem luftleeren Raum: Sie sind Ergebnis des jahrzehntelangen Kampfes engagierter Naturschützerinnen und Naturschützer in Verbänden, Behörden und Bürgerinitiativen sowie entsprechend engagierter Förster, die sich oft hinter den Kulissen für echte Waldschutzgebiete eingesetzt haben.

Dazu Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung und GLUS-Vertreter im Netzwerk Wildnis in Deutschland:

"Mit der zügigen und naturschutzfachlich fundierten Ausweisung zusätzlicher grosser nutzungsfreier Naturwälder kann Bayern jetzt wieder Anschluss an die nationalen und internationalen Bemühungen im Waldnaturschutz finden. Bei der Umsetzung haben folgende Bereiche in Form grosser, zusammenhängender Gebiete aus unserer Sicht höchste Priorität: Hoher Buchener Wald (Steigerwald), Buchenwälder Spessart, Auwälder Donau zwischen Lechmündung und Kelheim (Weltenburger Enge).

Wieder zeigt sich: Naturschutz braucht starke Verbündete und vor allem einen langen Atem, um erfolgreich zu sein. Die jetzt am Horizont sichtbaren Gebietsausweisungen in  jahrzehntelang heftig umkämpfen Gebietskulissen können eine neue, nicht mehr so ideologisch geprägte Debatte um echten Waldnaturschutz in Bayern anstossen. Wir haben in unseren Projekten immer deutlich gemacht, dass auf dem Grossteil der Fläche der nachwachsende Rohstoff Holz auch in Zukunft regional produziert werden kann und soll, auch im Staatsforst. Für mindestens 10 Prozent des Staatswaldes muss aber Naturschutz absoluten Vorrang haben und daher die Säge ruhen".


Zweites Gesetz zugunsten der Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern (Gesamtgesellschaftliches Artenschutzgesetz - Versöhnungsgesetz)

2. Art. 12a wird wie folgt geändert:
a) Der Überschrift werden die Wörter „und Naturwaldflächen“ angefügt.
b) Der Wortlaut wird Abs. 1.
c) Folgender Abs. 2 wird angefügt:
„(2) 1Bis zum Jahr 2023 wird im Staatswald ein grünes Netzwerk eingerichtet, das 10 % des Staatswaldes umfasst und aus naturnahen Wäldern mit besonderer Bedeutung für die Biodiversität besteht (Naturwaldflächen). 2Abs. 1 S. 3 gilt entspre-chend.“

Begründung - Stand 2.5.2019

Zu Nr. 2 (Art. 12a BayWaldG)
Durch den neugefassten Art. 12a BayWaldG wird ein weiterer Beitrag zur Biodiversität geleistet und ein grünes Netzwerk von Naturwaldflächen geschaffen. Durch Satz 1 verpflichtet sich der Freistaat, auf rund 10 % der Staatswaldflächen ein grünes Netzwerk einzurichten, das aus Wäldern mit besonderer Bedeutung für die Bio-diversität besteht. Der Verweis in Satz 2 legt fest, dass diese Flächen forstwirtschaftlich nicht genutzt werden. Dies bedeutet, dass die Flächen - entsprechend der Vorgabe des bisherigen Art. 12a Satz 3 BayWaldG - dauerhaft aus der aktiven Bewirtschaftung genommen werden und darin keine Holzentnahme mehr stattfindet. Notwendige Maßnahmen des Waldschutzes oder der Verkehrssicherung sind im Rahmen des Absatz 2 weiter zuläs-sig, um ggf. ein Übergreifen von Waldschädlingen auf umgebende Wälder verhindern zu können und die Erleb-barkeit dieser Flächen für die Bevölkerung sicherzustellen.

 

Zum Koalitionsvertrag CSU/Freie Wähler Vereinbarte 10 Prozent nutzungsfreie Staatswälder könnten unschätzbaren Beitrag zum Waldnaturschutz und zu einer echten Naturschutzoffensive für Bayern sein

Die Koalitionspartner haben im Koalitionsvertrag vereinbart: „Wir nehmen dauerhaft rund 10 % der staatlichen Waldflächen als nutzungsfreie Naturschutzflächen und Naturwaldflächen von der forstwirtschaftlichen Nutzung aus. Damit leisten wir einen erheblichen Beitrag zur Biodiversität und schaffen ein grünes Netzwerk von Naturwaldflächen“.

Dazu Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung und GLUS-Vertreter im Netzwerk Wildnis in Deutschland: „Mit der zügigen und naturschutzfachlich fundierten Umsetzung dieses Teiles der Koalitionsvereinbarung könnte Bayern wieder Anschluss an die nationalen und internationalen Standards im Waldnaturschutz finden. Dazu müssen neben dem weiteren Ausbau des bewährten Trittsteinkonzeptes aus Klein- und Kleinstflächen auch größere Naturwälder gemäß den fachlich fundierten Kriterien der Inititiative „Wildnis in Deutschland“ ausgewiesen werden, in der nahezu alle Umwelt- und Naturschutzinitiativen Deutschlands und viele Experten zum Thema nutzungsfreie Wälder / Wildnis zusammenarbeiten. Bei der Umsetzung haben folgende Bereiche in Form großer, zusammenhängender Gebiete aus unserer Sicht höchste Priorität: Hoher Buchener Wald (Steigerwald), Buchenwälder Spessart, Auwälder Donau zwischen Lechmündung und Kelheim. Die Kommunikation und Information muss bürgernah erfolgen, es müssen also alle Flächen exakt und für jeden Bürger nachvollziehbar dargestellt werden“.

Forderungen aus unseren Wahlforderungen, die im Rahmen der im Koalitionsvertrag vereinbarten 10 Prozent nutzungsfreie Wald-Naturschutzbereiche sofort umgesetzt werden sollten

1. Schutz Steigerwald: Sicherstellung des Hohen Buchenen Waldes  (100% Staatswald) als nutzungsfreier Wald gemäß Koalitionsvertrag
2. Schutz Spessart: Prioritäre Flächen gemäß Vorschlagskarte Verbände: sofortige Sicherstellung als nutzungsfreier Wald gemäß Koalitionsvertrag
3. Schutz Donauauen: Sicherstellung aller Staatswälder im Bereich der Donauauen zwischen Lechmündung und Kelheim sowie an der Isar zwischen Freising und Moosburg als nutzungsfreie Wälder gemäß Koalitionsvertrag