Volksbegehren Artenvielfalt

Rettet die Bienen !

In unserem Onlineangebot finden Sie die aktuellen Beschlüsse und Gesetzestexte, umfangreiche Hintergrundinfos und eine Dokumentation der Arbeit des Aktionsbündnisses München.

Verabschiedung Gesetzespaket Volksbegehren Artenvielfalt

Abschlussdokument Runder Tisch

Zulassungsantrag / Gesetzestext Volksbegehren

Förderpreis Artenvielfalt Bayern

Jahrestag 2020

Trägerkreis zieht Bilanz

München, 12.12.2020 – Zum Jahrestag des erfolgreichen Volksbegehrens Artenvielfalt – „Rettet die Bienen!“ am 13. Februar fordert der Trägerkreis aus ÖDP, LBV, Bündnis 90/Die Grünen und Gregor Louisoder Umweltstiftung zusammen mit seinen Partner Bund Naturschutz und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) die bayerische Staatsregierung auf, ihr Versprechen wahr zu machen und das Volksbegehren konsequent umzusetzen statt es zu verwässern.

Ein Jahr nach dem Ende der 14-tägigen Eintragungsphase, bei der 18,3 Prozent der Wahlberechtigten für das erfolgreichste Volksbegehren der bayerischen Geschichte unterschrieben haben, ziehen Träger und Partner eine gemischte Bilanz. Damit in Zukunft genau überprüft werden kann, ob die Regierungskoalition auch die Einhaltung und Umsetzung der neuen Gesetze erfolgreich vorantreibt, hat die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) ein System entwickelt, mit dem der Wunsch der über 1,7 Millionen Unterzeichner für besseren Naturschutz in Bayern wissenschaftlich fundiert beurteilt werden kann.

Positiv bewertet der Trägerkreis die Neuerungen im Vertragsnaturschutzprogramm und beim Personal: „Das Gesetzespaket aus dem Volksbegehren kann nur mit ausreichend finanziellen und personellen Mitteln umgesetzt werden. Die Staatsregierung hat dabei mit der Ankündigung von 100 neuen Stellen und rund 70 Millionen Euro ein positives Zeichen gesetzt. Es gibt Licht und Schatten bei der Umsetzung“, bilanziet Agnes Becker, Beauftragte des Volksbegehrens und stellvertretende ÖDP-Landesvorsitzende.

Die kürzlich vom Ministerrat beschlossene Streuobst-Verordnung wird vom Trägerkreis kritisiert. „Der zaudernden Söder-Regierung mangelt es im Themendreieck ‚Artenvielfalt – Klima – Umwelt‘ an Willen, Überzeugung und Vollzug. Mit der neuen Streuobst-Verordnung hat die Regierung versucht, die gesetzlichen Verpflichtungen des Volksbegehrens zu verwässern und auszuhöhlen. Der hundertausendfache Wunsch der Bürgerinnen und Bürger nach mehr bayerischem Natur- und Artenschutz darf nicht missachtet werden, wir brauchen hier endlich wirksame Verbesserungen“, so Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im bayerischen Landtag.

Ein wichtiger Schritt von vielen wurde beim Waldnaturschutz bereits getan: „Nutzungsfreie Waldschutzgebiete sind nicht nur notwendig, um diesen einzigartigen Lebensraum mit seinen Arten zu erhalten. Hier können wir auch beobachten, wie sich unsere Wälder im Klimawandel verändern. Daher freuen wir uns, dass Ministerpräsident Söder die Unterschutzstellung einer Fläche von 960 ha an der Donau bekannt gegeben hat und darüber hinaus insgesamt 2000 ha unter Schutz stellen will“, sagt Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung.

Die Natur- und Umweltschützer betonen besonders die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit den Landwirten nach dem erfolgreichen Volksbegehren: „Die Umsetzung des Volksbegehrens und die notwendigen Veränderungen funktionieren nur zusammen mit den Landwirten. Daher haben wir von Anfang an von einem Volksbegehren zur Rettung von Bienen und Bauern gesprochen, denn die Landwirte müssen von der Roten Liste genauso runter wie Feldlerche und Kiebitz. Daher appellieren wir an die Landwirte, sich gemeinsam mit Umwelt- und Naturschützern für eine ökologischere Agrarpolitik einzusetzen“, so Martin Geilhufe, Landesfachbeauftragter des BUND Naturschutz Bayern.

Unmut über die Umsetzung äußert auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft: „Der Staat wird seiner Vorbildfunktion nicht gerecht. Statt in seinen Kantinen konkrete Vorgaben zum Einkauf von mindestens 30 Prozent Lebensmitteln aus biologischer Landwirtschaft zu machen, wird lediglich gefordert, 50 Prozent regional und/oder biologisch einzukaufen. Diese Gleichsetzung von regional und bio bewirkt keine Erhöhung des Bio-Anteils, eher das Gegenteil davon. Genauso kontraproduktiv ist es, in der staatlichen Förderung ausgerechnet Biolandwirte von Programmen für vielfältige Fruchtfolgen mit Blühpflanzen auszuschließen", kritisiert Josef Schmid, Vorsitzender der AbL. Das auch noch unter der Vorgabe, die Fördermöglichkeiten an die Anforderungen des Volksbegehrens anzupassen.

Damit in Zukunft die Fortschritte bei der Umsetzung der Maßnahmen für mehr Naturschutz in Bayern besser überprüfbar werden, hat der Trägerkreis dafür eine wissenschaftliche Basis ausarbeiten lassen: „Mit unserem erfolgreichen Volksbegehren können wir das Artensterben in Bayern aufhalten und vielleicht sogar rückgängig machen. Ob es die Staatsregierung ernst meint und ob die ergriffenen Maßnahmen erfolgreich sind, werden uns die von Wissenschaftlern der Hochschule Nürtingen entwickelten Indikatoren zeigen. Gemeinsam mit 1,75 Millionen Unterzeichnern des Volksbegehrens werden wir hier ganz genau hinschauen“, klärt Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV.

Das von der Hochschule Nürtingen entwickelte Monitoring-Konzept erläuterte Prof. Dr. Roman Lenz von der Hochschule Nürtingen-Geislingen. Ausgehend von über 80 neu beschlossenen Maßnahmen haben Lenz und sein Team bisher ein Set von 20 Indikatoren herausgearbeitet. Im nächsten Schritt erfolgt die Datenerhebung bis schließlich in der Auswertungsphase der tatsächliche Effekt der Gesetzesnovelle beurteilt werden kann. „Die Herausforderung für die bayerische Staatsregierung besteht darin, die Maßnahmen des neuen Naturschutz- und Begleitgesetzes auch entsprechend umzusetzen. Mit den entwickelten Indikatoren können wir den tatsächlichen Erfolg dieser Umsetzung langfristig überprüfen und bewerten. Diese wird erstmalig im Juli 2020 erfolgen.“

Hintergrund zu Indikatoren:

Bei der Suche nach geeigneten Indikatoren haben die Wissenschaftler der Hochschule verschiedene Aspekte wie die Formulierung im Gesetz, die zu erwartende ökologische Wirkung, die Flächenrelevanz und die Datenlage sowie das gesellschaftliche Interesse berücksichtigt. Dies spiegelt sich auch in der vorgenommenen Priorisierung der Indikatoren von „sehr wichtig“ über „wichtig“ zu „weniger wichtig“ wider.

Dazu wurden bestehende bundesweite Erfassungen als Datengrundlage in Betracht gezogen, wie zum Beispiel „Flächen mit hohem Naturwert“, die zur Kontrolle der Beeinträchtigung von Strukturelementen genutzt werden können. Für Maßnahmen wie die Erhöhung der Naturwaldreservate wird neben der Zielgrößen auch Wert auf die räumliche Verteilung gelegt. Die Erhöhung der Flächenanteile mit ökologischer Landwirtschaft lässt sich gut messen, wobei Acker- und Grünland differenziert werden können. Es hat sich aber auch gezeigt, dass einige wichtige Sachverhalte wie der reduzierte Pestizideinsatz oder Maßnahmen aus dem Bereich Umweltbildung derzeit nur schwer zu messen sind.


Dieter Wieland zum Ergebnis:

Das war noch nie da...

Liebe Freunde,
ich möchte mich bei Euch allen von ganzem Herzen bedanken, Ihr wart wunderbar, Ihr habt gekämpft um unser aller Zukunft, Ihr habt es fertig gebracht, weit über eine Million Menschen zu bewegen, für mehr intakte Natur in Bayern ihre Stimme abzugeben. Das war so noch nie da, das wird, das muss etwas verändern in unserem Land, denn in Bayern bestimmen nur Wählerstimmen die Politik. Bewunderung und mein allergrößter Dank und Respekt an Agnes Becker und die verantwortlichen Damen und Herren der ÖDP, trotz aller Zweifel und Bedenken, am Ende haben doch alle mit Euch an einem Strang gezogen. Auch das ist ein Wunder, dafür bedanke ich mich heute bei allen. Wir sind nicht so stark und so reich wie der ADAC, aber in Wahrheit sind wir viel schlagkräftiger, denn wir haben die besseren Argumente und den größeren Enthusiasmus. Aber leider zersplittern wir uns seit Jahrzehnten in Einzelgrüppchen und Einzelkämpfer. Der heutige Erfolg zeigt uns auch eins: Nur gemeinsam sind wir stark.

Also bitte, lernt daraus, auch am Runden Tisch, bleibt gemeinsam mit Euren Argumenten und Eurer Strategie, lasst Euch nicht auseinander dividieren, bleibt die starke Mannschaft auch nach diesem ersten Sieg. Denn jetzt beginnt der eigentliche Kampf.

Täuscht Euch ja nicht, so wie wir 1983, „Grün kaputt“ ging in 20 Exemplaren durch ganz Deutschland, das Buch in 10 Auflagen, ein Kultbuch, es ist alles gesagt, es ist alles gezeigt in Hunderten Bildern… und was haben wir erreicht? NICHTS. Die roten Listen sind doppelt so lang, der Sojaverbrauch doppelt so hoch, die Fertigställe doppelt so lang, Traktoren und Güllehänger doppelt so schwer, Herbizidaustrag um ein Drittel gewachsen, mindestens. Hummeln, Schmetterlinge, Bienen, Vögel  …  halb so viel, höchstens. 

Die Gegenseite wird jetzt ihre süßesten Sonntagsredner aufbieten, die Gebetsmühlen werden auf Hochtouren laufen und das schöne Bayern verkünden und demonstrativ werden sie ihre Landwirte in den Arm nehmen, „denn das sind unsere Wähler, nicht Eure, davon habt Ihr ja keine Ahnung“…. 

Also wappnet Euch, feiert, seid stolz und glücklich  …..  aber ab morgen wird es ernst, sehr ernst. Aber glaubt daran - gemeinsam sind wir stark.

Herzlich, Euer Dieter Wieland

Dieter Wieland (*1937) wurde bekannt durch seine Reihe »Topographie«, die seit 1972 in »Unter unserem Himmel« im Bayerischen Fernsehen gesendet wurde und mit der er gegen die Zersiedelung der Landschaft und für die Bewahrung einer gewachsenen Kulturlandschaft kämpfte, sowie "Grün kaputt". Er engagiert sich unter anderem ehrenamtlich als Stiftungsrat der Gregor Louisoder Umweltstiftung. Träger zahlreicher Auszeichnungen, unter anderem des Bayerischen Verdienstordens.