Ökologische Landwirtschaft:
Absatz steigt deutlich - Umstellung hinkt hinterher,
Nachfrage kann regional teils nicht bedient werden
Aktuelle Positionen und Daten
Bayern: Umsätze steigen, Anbaufläche sinkt, Nachfrage kann regional teils nicht
bedient werden
Im bayerischen Naturschutzgesetz ist seit dem erfolgreichen Volksbegehren „Rettet die
Bienen“ das Ziel verankert, dass bis 2030 30% aller landwirtschaftlichen Flächen
ökologisch bewirtschaftet werden müssen – ähnliche Ziele finden sich auch in diversen
anderen Programmen und Beschlüssen.
Trotz der hohen Umsatzzuwächse in Deutschland 2025 melden die in der LVÖ Bayern
zusammengeschlossenen Verbände Naturland, Bioland, Biokreis und Demeter für 2025
einen insgesamten Rückgang an Mitgliedsbetrieben um 3,4%. Die Fläche, die von allen
Mitgliedern der bayerischen Bio-Verbände gemeinsam bewirtschaftet wird, nahm
demnach um 2,1% ab. Rund zwei Drittel der bayerischen Bio-Betriebe gehören einem
der Verbände an. Das Bild über sämtliche bayerischen Bio-Betriebe hinweg zeigt sich
ähnlich, die gesamte ökologisch bewirtschaftete Anbaufläche in Bayern liegt laut LVÖ
leicht unter Vorjahresniveau. (1)
Neben der insgesamt zu geringen Umstellungsquote in den letzten Jahren liegt dies auch
an den aktuellen Anforderungen zur Weidetierhaltung, die zum Ausstieg einzelner
Betriebe aus bio geführt hat. Laut LVÖ kann in bestimmten Bereichen wie Futtermitteln
die Nachfrage aus bayerischer Produktion nicht abgedeckt werden.
Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln stieg laut LVÖ in Deutschland im Jahr 2025 um 8-10%.
Aktuelle Analysedaten BW
Aus einer aktuellen Studie (2) liegen umfassende Informationen für Baden-Württemberg
vor, Beispiele siehe Endnote (Produktions- und Marktpotenzialerhebung und -analyse
für die Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung ökologischer Agrarerzeugnisse und
Lebensmittel aus Baden-Württemberg 2025, Ecozept).
Dazu Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung: "Die aktuelle
Entwicklung ist im Hinblick auf die gesetzlichen Ziele besorgniserregend – während der
Absatz von Bioprodukten nach einer kurzen Delle weiter deutlich zunimmt, kommt die
regionale Produktion von Lebens- und Futtermitteln und die Umstellung entsprechender
Betriebe teils nicht hinterher. Die positiven Auswirkungen von Biolandwirtschaft wie
sauberes Wasser, intakte Böden und Artenvielfalt in der Feldflur finden also immer mehr
in entfernten Erzeugungsgebieten statt – gut für die Natur und die Menschen dort. Es ist
aber jetzt Aufgabe der Politik auf Bundes- und Landesebene, langfristige Motivation und
Planungssicherheit für die Umstellung weiterer Betriebe vor Ort zu schaffen“.
Warum bio nicht regional ist – staatlicher Einsatz von Bioprodukten viel zu gering
Im Nachgang des erfolgreichen Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ wurden auf
verschiedenen Ebenen umfangreiche Verpflichtungen bzw. Empfehlungen zum Einsatz
von Bio-Lebensmitteln in der staatlichen Beschaffung bzw. staatlichen
Gemeinschaftsverpflegung etabliert. Von manchen Institutionen werden aber
schwammig definierte bzw. nicht nachvollziehbare Mischquoten aus Bioprodukten und
regional erzeugten konventionellen Lebensmitteln gesetzt. Dies ist in diesem
Zusammenhang abzulehnen: Ziel ist der Einsatz von Bioprodukten, wenn möglich aus
regionaler Erzeugung.
Was macht die Louisoder Umweltstiftung?
Die Unterstützung und Umsetzung von Projekten im Bereich Ökologische
Landwirtschaft ist seit Gründung eines der Schwerpunktziele der Louisoder
Umweltstiftung. Zahlreiche Projekte der Pionierphase im Bereich
Gemeinschaftsverpflegung und Marktausbau wurden von uns initiiert oder gefördert, so
eine entsprechende Projektstelle des Bund Naturschutz in Bayern e.V. und diverse
Förderpreise / Wettbewerbe sowie Umweltbildungsaktivitäten. Im Trägerkreis des
Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ arbeiten wir auch nach 7 Jahren noch intensiv an
der Umsetzung der Ziele und der zahlreichen beschlossenen Einzelpunkte, wie der
Reduktion des Pestizideinsatzes in Bayern, der Erhöhung der Bio-Anbaufläche bis zum
30-Prozent-Ziel und hohe und verbindliche Bio-Quoten in Kantinen und
Schulverpflegung.
Biobündnis / LinkedIn-Kanal
Im Biobündnis Bayern engagieren wir uns intensiv, als eines der ersten Projekte wird ein
LinkedIn-Kanal eröffnet, um dort den ökologischen Landbau für MultiplikatorInnen zu
positionieren. Folgen Sie uns gerne auf: www.linkedin.com/company/biobündnis
Ansprechpartner für Rückfragen:
Claus Obermeier (Vorstand): claus.obermeier@umweltstiftung.com
(1) Quelle: LVÖ 5.2.2026: https://www.lvoe.de/presse/317-bio-nachfrage-uebersteigt-heimisches-angebot-landwirte-warten-auf-signale-aus-der-politik
(2) „Die Herangehensweise der „Versorgungsbilanz“ auf Basis des Bundeslandes hat einen theoretischen
Charakter. Die Lebensmittelmärkte sind nicht abgrenzbar, Rohwaren und verarbeitete Produkte (auch
halbfertige und Zwischen-Produkte) werden zwischen den Regionen, Bundesländern und Staaten intensiv
ausgetauscht. Dennoch ist die Betrachtung sinnvoll, um deutliche Defizite oder Überschüsse
aufzuzeigen“ . (…)
Beispiele:
• „Aktuell werden in Baden-Württemberg jährlich ca. 117 Mio. Bio-Eier gelegt, was einer
Verdopplung der Produktion seit 2019 gleichkommt. Der Bio-Gesamtkonsum in Baden-
Württemberg beläuft sich auf 386 Mio. Eier. Der Bio-Konsum übersteigt hier die heimische
Erzeugung um mehr als das Dreifache.
• Die Bio-Gemüse-Ernte im Land umfasst 48.000 t. Der Bio-Gesamtkonsum in Baden-Württemberg
beläuft sich auf 89.000 t. Die heimische Erzeugung deckt etwas mehr als die Hälfte des Bedarfs.
• 41.000 t Getreide für Brot und Mehl (Weizen, Roggen, Dinkel) werden in Baden-Württemberg
geerntet. Der Bio-Gesamtkonsum in Baden-Württemberg beläuft sich auf 100.000 t
(Mehläquivalente). Die heimische Erzeugung deckt 40 % des Bedarfs.
• Die geschätzte Bio-Fleisch-Menge (über alle Tierarten (Rind, Schwein, Schaf und Masthühner)
erreicht ca. 15.000 t. Der Bio-Gesamtkonsum in Baden-Württemberg beläuft sich auf ca. 23.000t.
Hinter dem Durchschnittswert verbergen sich Überschüsse bei Rindfleisch und
Nachfrageüberhänge bei Schwein und Geflügel, trotz deutlicher Angebotsausdehnung“. Produktions- und Marktpotenzialerhebung und -analyse für die Erzeugung, Verarbeitung und
Vermarktung ökologischer Agrarerzeugnisse und Lebensmittel aus Baden-Württemberg 2025“,
Ecozept
Ansprechpartner für Rückfragen:
Claus Obermeier (Vorstand), claus.obermeier@umweltstiftung.com,
Tel. 089 / 54 21 21 42
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